Wieviele Kugeln?
Im Becher oder in der Waffel? Mit oder ohne Sahne? Welche Sorten?
Mit 15 Jahren begann ich, Eis zu verkaufen, und stellte täglich tausendmal diese Fragen. Bis ich die Idee hatte, selbst Plakate und Beschriftungen zu gestalten, um mir meinen Job zu erleichtern. Daraus entstanden bald Aufträge für handgeschriebene und illustrierte Speisekarten in halb Ostholstein. Rückblickend war dies der Beginn meines künstlerischen Weges.
Bis dahin dachte ich, ich würde in die Fußstapfen meiner halben Familie treten, die alle in einer psychiatrischen Fachklinik arbeiteten. Meine Großeltern hatten sogar eine Dienstwohnung auf dem Klinikgelände. Dort war es aufregend, lustig und beängstigend zugleich. Es gab Gebäude, die aussahen wie aus einem Märchen, aber von haushohen Zäunen umgeben und abgeriegelt waren. Ich hatte Kontakt zu netten, aber auch merkwürdigen Patientinnen und Patienten, und im Magazin, in dem mein Onkel arbeitete, gab es den besten Linoleumboden zum Rollschuhfahren.
Auch in der Nähe des Ferienzentrums, wo ich Eis verkauft und später viel gekellnert habe, gibt es eine psychiatrische Fachklinik. Einige Patientinnen und Patienten waren regelmäßig im Café zu Gast. Schon als Kind und später als Jugendliche habe ich mir häufig Gedanken darüber gemacht, wie es ihnen geht und wie sie sich fühlen. Fühlen sie sich normal, und was bedeutet das überhaupt? Was ist schon normal, und wer bestimmt das?
Ich entschied mich für ein Grafikdesign-Studium und musste ein Jahr lang von Ostholstein nach Hamburg pendeln. Täglich 120 km hin und zurück, immer mit der Musik von Ton Steine Scherben auf der Kassette. Mein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn wurde auf jeden Fall weiter geschärft.
Gleichzeitig belegte ich Kurse für freie Malerei. Bis heute beschäftige ich mich mit Themen, die mich seit meiner Jugend begleiten und geprägt haben: exzentrisch inszenierte Alltagssituationen und die Frage nach gesellschaftlichen Normen, Identität und Zugehörigkeit.
Ich male großformatige Acrylbilder auf Leinwand. Die Leinwand ist für mich eine Bühne, auf der ich die Freiheit habe, Wirklichkeiten neu zu arrangieren. Figuren treten auf, Beziehungen entstehen, Spannungen bauen sich auf, Geschichten werden angedeutet. Wie eine Regisseurin entscheide ich, wer im Mittelpunkt steht, wer im Hintergrund agiert, welches Licht auf die Szene fällt und welche Atmosphäre den Raum erfüllt. Figuren aus unterschiedlichen Kontexten, Zeiten oder Stimmungen begegnen sich auf derselben Bildfläche, ohne einer logischen Ordnung folgen zu müssen.
In collageartigen Kompositionen, geprägt von einem feministischen Blick und einem eigenwilligen Humor, verhandle ich Fragen nach Identität, Sichtbarkeit und Selbstbestimmung. Gedanken, Erinnerungen und Fantasie dürfen dabei gleichberechtigt nebeneinander existieren. Meine Arbeiten sind keine Abbildungen einer äußeren Wirklichkeit, sondern bewusste Inszenierungen innerer Bilder. Sie laden dazu ein, eigene Geschichten zu entdecken – ohne Anspruch auf Eindeutigkeit. Wie im Theater entsteht ihre Bedeutung erst im Zusammenspiel zwischen Szene und Publikum.
Eine Erinnerung, ein Song, ein einzelnes Wort oder ein kurioses Objekt können augenblicklich ein Bild in meinem Kopf entstehen lassen, das ich malerisch umsetzen möchte. Ich recherchiere, sammle und kombiniere unterschiedliche Referenzen, die sich wie in einer Collage zu einer Bildidee verdichten. Das eigentliche Abenteuer beginnt jedoch im Malprozess: Plötzlich treten neue Figuren auf, Requisiten verändern die Szenerie oder unerwartete Verbindungen entstehen. So entwickelt das Bild während seiner Entstehung eine eigene Dynamik – und überrascht oft auch mich selbst.
Ich lebe und arbeite in Hamburg. Ich bin Mitglied im BBK Hamburg.
Einzel- und Gruppenausstellungen
_ HAAM#3 Hamburg / September 2025, Kraftwerk Bille
_ POSITION. Ausstellung des Berufsverbands bildender Künstler*innen Hamburg,
Fabrik der Künste / August 2025
_ BOING / Gruppenausstellung / tbd – Kunstvilla Altona / Mai 2025
_ Altonale Kunstherbst im Pacific Hotel / November 2024
_ HAAM#3 Hamburg / September 2024 / Kraftwerk Bille
_ BAAM Berlin / Juni 2024 / Monopol
_ Millerntor Gallery #12 / Juni 2024
_ Viva Con Agua Charity Auktion / Mai 2024
_ „All In“, Einzelausstellung, PopUp Galerie der Hamburg Kreativ Gesellschaft / September 2023
_ Einzelausstellung, Galerie Daniel und die Kunst, Hamburg / Juni 2020
_ Gemeinschaftsausstellung der Künstlergruppe DIE KUNSTKÖPPE, Freyja-Frahm-Haus, Laboe: „Ungekämmt und fern der Heimat“ / Mai 2019
_ altonale kunstmarkt + altonale Kunstherbst 2007–2020
_ Alsterart Hamburg / November 2019
_ „#rosarot“, Gruppenausstellung der Künstlergruppe DIE KUNSTKÖPPE, Circle Culture Gallery-PopUp Galerie / September 2019
_ Gemeinschaftsausstellung der Künstlergruppe DIE KUNSTKÖPPE, Fischkai 57, Bremerhaven: „Ungekämmt und fern der Heimat“ / April–Mai 2018
_ Gemeinschaftsausstellung der Künstlergruppe DIE KUNSTKÖPPE
Oberhafenquartier, Halle 4 / April 2017
_ AlsterArt 2016
_ HamburGGalerie / August 2016 - März 2017
_ Portrait-Ausstellung, Gemeinschaftsausstellung PORT ART, MS Stubnitz, Hamburg / Juni 2015
_ Ausstellung in den Räumen des Therapiezentrum HafenCity / November 2014 bis Oktober 2015
_ „Eitelkeitenfreie St. Petersburger Dezember-Hängung", Gemeinschaftsausstellung im HauptKunstAmt,Der Raum / Dezember 2013
_ PORT ART-Künstlergruppe, Ausstellung auf der Cap San Diego, Hamburg / April bis Mai 2013
_ altonale kunstmarkt + altonale Kunstherbst 2007–2020
_ HanseArt Bremen November 2011
_ Einrichtungsstudio m04-marx moderne räume / Dezember 2010 bis März 2011
_ Ballsaal des FC St. Pauli-Stadions / Dezember 2010
_ Kunstmarkt Kunststätte Bossard / August 2010

